Nachhaltige Möbel - worauf sollte man achten?

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Nachhaltige Möbel - worauf sollte man achten?

Dieser Artikel zeigt Ihnen wichtige Anhaltspunkte, an denen Sie nachhaltige Möbel und Einrichtungsgegenstände erkennen können. Aber vorher nehme ich Sie mit in einen typischen Samstag:

Stellen Sie sich einen schönen Samstagvormittag vor. Die arbeitsreiche Woche liegt hinter Ihnen und ist eigentlich schon vergessen.

Der Schlaf hat endlich gereicht und war so richtig erholsam. Das Frühstück ist fast schon gegessen ... und Sie schlürfen noch an einem leckeren, heißen Tee oder Kaffee - da passiert es: Einer aus der Familie spricht es aus: "Lasst uns doch heute zum Möbelhaus fahren ... die haben doch Super-Rabattwochen".

Stille im Raum. Das eine oder andere Gesicht wird bleich. Aber niemand wagt es, zu widersprechen. Und so führt der heutige Ausflug auf den Großparkplatz eines großen Möbelhändlers.

Das Szenario kennen Sie. Sie trudeln gegen 12.30 Uhr ein. Alle Parkplätze sind rappelvoll. Menschen stehen hinter und neben ihren vollgestopften Autos, reißen hysterisch Kartons auseinander, um Möbelteile noch in die letzten Ecken ihrer Autos zu stopfen.

Worauf ich hinaus will? Denken Sie, dass hier nachhaltige Möbel gekauft werden? Was läuft hier ab?

Hier geht es bei vielen Kunden um die Befriedigung ihrer Kauflust. Man geht am Samstag Möbel shoppen. Bei einigen geht es auch darum, die Studentenbude oder die erste Wohnung schnell und billig einzurichten.

Geht es um Nachhaltigkeit? Macht sich jemand Gedanken, wie lange die Möbel halten werden oder wo sie herkommen? Das wird bei den meisten keine Rolle spielen.

Um zu zeigen, welche Rolle nachhaltige Möbel aber spielen könnten, möchte ich Ihren Blick unter anderem auch auf Zahlen und Fakten lenken.

Vorher liegt mir aber daran für den Begriff "Nachhaltigkeit" in die Bresche zu springen. Manch einer meint ja, der Begriff wäre abgenutzt. Nachhaltigkeit wäre ein sogenanntes Buzzword - also ein Trendbegriff, der leichtfertig von der Werbebranche getrommelt wird.

Ich finde das gar nicht. Nachhaltigkeit - gerade auch bei Einrichtung und Möbeln - ist eine wichtige Chance und ein großer Baustein, um unsere Umweltprobleme zu lösen.

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Nachhaltigkeit - ein Buzzword?

Nachhaltige Möbel sind nicht nur ein Trend.

Der eine von Ihnen denkt jetzt bestimmt: "Nicht schon wieder ...das Buzzword Nachhaltigkeit". Aber sorry, da muss ich widersprechen!

Nachhaltigkeit ist viel viel mehr als ein Buzzword. Es ist einer der Dreh- und Angelpunkte auf dem Weg zur Verbesserung unserer Umwelt.

Um meinen Standpunkt näher zu erläutern, nehme ich Sie kurz mit und mache einen Schwenk zur Bekleidungsindustrie. Die steht nämlich vor ähnlichen Herausforderungen wie die Möbelbranche.

Auf dem Portal "Fashionunited.de" ist ein schöner Artikel erschienen, der Nachhaltigkeit ähnlich sieht wie ich - nicht als Buzzword sondern als Chance.

Der Artikel beschreibt am Beispiel von Bekleidung sehr schön, dass es bei der Verwendung des Begriffes "Nachhaltigkeit" nicht in erster Linie um Marketing geht, sondern um das was wichtig ist.

Kunden möchten in Zukunft Produkte kaufen, die unserer Umwelt möglichst wenig schaden.

So einfach ist das. Was für die Bekleidungsbranche gilt, wird bei Einrichtung und Möbeln nicht anders sein.

Wenn dafür dauernd der Begriff Nachhaltigkeit verwendet wird, ist das für mich total okay, weil es für eine gute Sache steht.

Aber zurück zu Zahlen und Fakten bei Möbeln.

Wieviele Möbel werden jährlich gekauft?

Das Marktvolumen für Möbel liegt in Deutschland bei über 33 Milliarden Euro im Jahr. Mehr als 25% davon werden durch Ikea, XXXLutz, Höffner und deren Tochterfirmen besetzt.

Wer hierzu mehr Daten lesen will: Meine Daten beziehe ich z.B. bei statista.com. Auf anderen Portalen gibt es ähnliche Daten. Die Zahlen stimmen nicht immer perfekt überein, aber alle Portale geben einen Möbelumsatz über 33 Milliarden Euro an. Eine ganz schöne Menge, wie ich meine.

Fest steht also, dass eine gigantische Menge an Material für Möbel verbraucht wird, aber:

Die wenigsten Hersteller machen sich Gedanken über Nachhaltigkeit bei Möbeln und Einrichtung.

Während Ikea schon eine langfristig angelegte Strategie für nachhaltigere Produkte angekündigt hat, ist das Thema bei den meisten anderen, großen Anbietern kaum zu finden.

Rabattschlachten bestimmen das Bild. Man versucht alles, um den immer stärker werdenden Onlinehandel auf Distanz zu halten.

Ein weiteres Problem sind immer höher werdende Mieten in Großstädten. Kunden suchen mangels Budget angeblich nach immer günstigeren Angeboten.

Die meisten Hersteller und Händler versuchen die vermeintlichen Kundenwünsche nach immer höheren Rabatten und billigen Preisen zu bedienen.

Über Nachhaltigkeit macht sich die Masse der Möbelkäufer scheinbar noch keinen Kopf.

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Die meisten Möbel sind "Wegwerfmöbel"

Welche Bedeutung haben die großen Mengen an Möbeln, die jedes Jahr von uns konsumiert werden? Wieviel Nachhaltigkeit steckt darin?

Schaut man sich das Programm der großen Möbelanbieter auf dem deutschen Markt an, stellt man fest:

Die meisten Möbel sind billig produziert, nicht nachhaltig.

Noch immer besteht ein großer Teil der bei Discountern und im Internet angebotenen Möbel hauptsächlich aus Holz, das unter fragwürdigen Umständen abgeholzt wird. Dieser Bericht der Deutschen Welle über die Methoden der Waldbewirtschaftung im Norden Russlands gibt Ihnen einige Hintergrundinformationen.

Der Raubbau in diesen Wäldern und die mangelnde Wiederaufforstung dürfte einen großen Anteil an der Entwicklung der globalen Klimaproblematik haben.

Ein wichtiges Thema ist die Qualität

Wie bei der Kleidung waren Möbel in den letzten Jahren hauptsächlich ein Modethema. Die meisten Leute haben sich keine Gedanken darüber gemacht, dass ein Schrank für 79,00 Euro eventuell nicht so lange halten könnte wie ein Schrank für 790,00 Euro.

Jeder kennt das Ergebnis. Bei fast jedem Umzug fallen heute einige Möbelstücke dem Transport zum Opfer. Sie sind so billig und wackelig konstruiert, dass sie leider kein "zweites Leben" haben werden.

Aber ist es wirklich Wunsch der Kunden, immer die billigsten Möbel zu kaufen?

Die meisten Kunden möchten eigentlich gar nicht unbedingt solche Billigmöbel einkaufen. Sie können es aber oft gar nicht anders - mangels Angebot!

Nachhaltige Möbel in Zahlen

Bei meiner Recherche habe ich nach belastbaren Zahlen für die Bedeutung nachhaltiger Einrichtung gesucht.

Eine Studie von "Splendid Research" aus dem Jahr 2016 belegt, dass damals schon drei Viertel der Käufer Nachhaltigkeit beim Möbelkauf wichtig fanden. 

Die Kunden wollen offensichtlich nachhaltige Möbel kaufen, werden am Markt aber nicht ausreichend damit versorgt.

Schaut man sich die Entwicklung seit dem Erscheinen der o.g. Studie an, dürfte das Umweltbewusstsein und der Wunsch nach nachhaltig hergestellten Möbeln eher noch mehr gewachsen sein. 

Es gibt also ein großes Umsatzpotential für nachhaltige Möbel.

Was kann ich als Privatkunde tun? Woran erkenne ich nachhaltige Möbel?

Nehmen wir nun also an, Sie sind ein Kunde, der nachhaltige Möbel kaufen möchte. Es stellen sich Ihnen zwei wichtige Fragen:

  1. Was macht die Nachhaltigkeit bei Möbeln aus?
  2. Wo können Sie nachhaltige Möbel kaufen?

Was macht nachhaltige Möbel im einzelnen aus:

Nachdem wir uns jetzt angesehen haben, was alles schief läuft, verlassen wir am besten erstmal den großen Parkplatz des riesigen Möbeldiscounters.

Hier kommen wir mit unserem Wunsch nach nachhaltiger Einrichtung nicht wirklich weiter.

Aber wie und wo kann man sich nun den Wunsch erfüllen, nachhaltig zu wohnen?

Wichtig ist dabei, erst einmal die Merkmale echter Nachhaltigkeit festzustellen.

Wo kommen die Möbel her?

Wo die Rohstoffe herkommen und das Möbelstück produziert wird, ist dabei eine wesentlicher Faktor. Natürlich macht es einen großen Unterschied, ob die Rohstoffe um die ganze Welt transportiert wurden, oder aus dem Nachbarort stammen.

Der ökologische Fussabdruck ist durch weite Wege bei manchen Produkten viel zu groß. Zahlreiche Rohstoffe für Möbel und Einrichtungen kommen heute aus Asien. Und das passiert aus einem einzigen Grund: Damit wir billig einkaufen können.

Faire Arbeitsbedingungen

Die Bedingungen, unter denen in vielen Billiglohnländern produziert wird, sind ähnlich wie bei den Textilien.

Arbeitskräfte werden weit weg vom heimischen Wohnzimmer für die Herstellung von Billigprodukten ausgebeutet und arbeiten unter schlechten Bedingungen. Auch darauf sollte man unbedingt achten.

Lokale Zulieferer

Das Thema der Zulieferer ist für den Endverbraucher schwer zu durchschauen. Manche Möbelanbieter geben vor, eine nachhaltige Produktion zu haben. Allerdings werden bei näherem Hinsehen die meisten Rohstoffe, Beschläge und Zubehörteile aus Gründen des Wettbewerbs z.B. in China bezogen.

Sorry, aber das ist nicht nachhaltig. Informationen hierüber sind für den Verbraucher allerdings schwer zu bekommen. Hier kann man leider nur auf die Transparenz der Hersteller und Lieferanten hoffen.

Qualität und Lebensdauer

Die Haltbarkeit eines Möbelstücks macht einen wesentlichen Teil der Nachhaltigkeit aus. Das beginnt schon beim Design. Ein nachhaltiges Produkt sollte für eine möglichst lange Lebensdauer konstruiert und gefertigt sein.

Neben der konstruktiven Seite ist dabei die Auswahl langlebiger Materialien von entscheidender Bedeutung.

Verzicht auf Schadstoffe

Niemand möchte gern in einem Bett schlafen, das gesundheitsschädliche Stoffe freisetzt. Solche Emissionen nimmt man ja über die ganze Zeit auf, die man mit dem Möbelteil verbringt.

Dennoch gibt es noch immer Fälle, wo solche Schadstoffe frei werden. Das ist vor allem bei neuen Möbeln der Fall.

Achten Sie beim Kauf zum Beispiel auf den blauen Umweltengel und andere seriöse Zertifikate, die Ihnen ein Produkt ohne Schadstoffe zusichern.

Schadstoffe bei der Produktion

Neben den Schadstoffen, die bei der Nutzung der Möbel vermieden werden müssen, spielen auch die Emissionen bei der Produktion eine Rolle.

Einige Hersteller bemühen sich hier bereits um eine "klimaneutrale Produktion" und halten den Ausstoß von schädlichen Stoffen so gering wie möglich. Das ist lobenswert und sollte entsprechend berücksichtigt werden.

Auf Recycling und Upcycling achten

Noch klimagesünder geht es aber, wenn Hersteller oder Verbraucher gebrauchten Produkten ein zweites Leben verschaffen. Über Upcycling hatte ich ja schon einen Blogartikel geschrieben, der das Thema genauer erklärt. 

Vereinfacht gesagt, wird hier Produkten mit einem ganz anderen Vorleben eine neue Funktion als Möbelstück gegeben. Gebrauchte Produkte wie z.B. Bohlen aus Holz werden aufgearbeitet und zu Möbeln mit einem eigenständigen Design verarbeitet.

Hierbei werden keine neuen Rohstoffe eingesetzt und natürlich auch sehr viel weniger Schadstoffe produziert.

Label können Wegweiser sein

Das sind eine ganze Reihe von Punkten, die für den Verbrauchern nicht alle einfach zu durchschauen sind.

Eine Hilfestellung können Label, Zertifikate und Siegel sein, die Möbel als nachhaltig ausweisen.

Den blauen Umweltengel hatte ich schon erwähnt. Auch das FSC-Zertifikat zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft und deren Produkte ist ein guter Wegweiser.

Man sollte bei der Bewertung solcher Zertifikate aber immer prüfen, wer dahinter steht und welche Interessen derjenige Vertritt. Ein wenig gesundes Mißtrauen schadet nicht. Wenn z.B. ein Möbelverband hinter einem Siegel steckt, ist die Vergabe ja nicht wirklich unabhängig.

Beispiele für nachhaltige Möbelhersteller

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch einige gute Beispiele für nachhaltige Möbel mit auf dem Weg geben.

Das tue ich mit einem Artikel der kürzlich im bekannten Online-Magazin Houzz erschienen ist. Er trägt den schönen Titel "Weg vom Wegwerfen - 7 Ideen für mehr Nachhaltigkeit im Möbeldesign".

Der Beitrag berichtet vom Designfestival in Kopenhagen und zeigt an einigen skandinavischen Herstellern und Designern sehr gut, was nachhaltiges Möbeldesign ausmacht.

Es gibt viel zu beachten

Mein Fazit: Viele Dinge sind zu beachten, wenn man wirklich nachhaltig wohnen möchte. Der vorhandene Markt macht es dem Verbraucher bislang noch nicht so ganz einfach.

Das Thema empfinde ich als superinteressant und enorm vielfältig. Man kann an so vielen Stellschrauben drehen um etwas zu bewirken. Als Möbelkäufer muss man ja auch nicht gleich 100% meiner aufgeführten Punkte erfüllen. Etwas mehr für einen nachhaltigen Wohnstil zu tun ist besser als nichts.

Sie können auch heute schon an einigen Stellen wirklich nachhaltige Einrichtung kaufen. Man muß aber etwas suchen und auch tiefer dafür in die Tasche greifen.

Von den heute bekannten Billigpreisen für Mobiliar werden wir uns mittelfristig verabschieden müssen.

Das ist aber nicht schlimm, denn unsere Möbel der Zukunft werden viel länger halten und damit preiswert sein - nicht mehr billig.

Die großen Anbieter sind nur teilweise auf einem guten Weg. Letztlich wird aber der Druck der zunehmend bewußter denkenden Kunden dafür sorgen, dass sich in diesem Bereich noch viel mehr bewegt.

Teilen Sie mir in den Kommentaren gern Ihre eigenen Ideen und Anmerkungen dazu mit. 

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